News Auf Wiedersehen Lastschrift, es war schön mit dir (1 Betrachter)

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6 August 2019
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Ein Nachruf auf das beliebte Zahlungsverfahren, das heute überraschend vor dem EuGH verstorben ist. Händler und Kunden werden es schwer vermissen. Eine Glosse von Jochen G. Fuchs.

Die Onlinelastschrift war eine der beliebtesten Zahlungsarten im deutschen Onlinehandel, Kunden liebten besonders die bequeme und mehr oder weniger risikofreie Nutzung der Zahlungsmethode. Einfach die eigene Bankverbindung eintragen, Bestellung absenden – und der Händler auf der anderen Seite kümmert sich um den Rest. Eine Zahlung vergessen? Mahngebühr? Stress? Alles kein Thema, dank dem immer dienstbereiten Helferlein Onlinelastschrift. Am heutigen Donnerstag, den 5. September 2019, ist die Onlinelastschrift am EuGH verstorben. Die Rechtsprechung gab ihr den Rest.

Trauriges Ende der Lastschrift: Anzeichen waren früh zu erkennen

Anzeichen für das traurige Ereignis zeigten sich bereits im Mai, als der Generalanwalt eine Einschätzung zu einem Rechtsstreit lieferte, die deutlich den schlechten Gesundheitszustand der Lastschrift dokumentierte.
Der Krankheitsverlauf stellt sich wie folgt dar:
Der Verein für Konsumenteninformation, ein österreichischer Verbraucherschutzverein, klagte gegen die Deutsche Bahn, die auch an österreichische Kunden Bahntickets verkauft. Erstmal nichts Schlimmes, auch wenn bayerische Mitbürger die erhöhte Anzahl der österreichischen Reisenden auf ihren Transitrouten vielleicht beklagen würden.
Die Bahn begrenzte die Bezahlung mit der allseits beliebten Lastschrift jedoch auf Kunden mit deutschem Wohnort. Das Zahlungsverfahren sollte so vor Missbrauch geschützt werden – schließlich könnten ihm mühsam abgebuchte Geldbeträge wieder herzlos entrissen werden, wenn vorweg keine Bonitätsprüfung durchgeführt würde.
Nun ist es keineswegs so, dass der treue österreichische Bürger generell weniger zahlungsfreudig wäre, seine Bonität kann genauso über jeden Zweifel erhaben sein, wie die eines anderen EU-Bürgers. Oder eben nicht. Aber der mit der Lastschrift liebevoll verbundene Händler will auch beim österreichischen Kunden eine Bonitätsprüfung vornehmen. Er ist eben, es sei ihm verziehen, da seine Existenz davon abhängt, ein eher misstrauischer Geselle.
Leider, so führt es die Deutsche Bahn nachvollziehbar aus, ist diese Bonitätsprüfung deutlich teurer in Österreich. „Es sei schlicht nicht möglich, eine angemessene Bonitätsprüfung in allen Ländern innerhalb des einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraums zu gleichen Bedingungen durchzuführen. Eine Bonitätsprüfung für Kunden mit Wohnsitz in Österreich sei um das 15-fache teurer als für Kunden mit Wohnsitz in Deutschland“, so zitiert Hanno Bender das Argument der Bahn im Bargeldlosblog.
Die Lastschrift geriet an dieser Stelle in den gefährlichen Strudel der EU-Verordnungen (VO) SEPA-VO und Geoblocking-VO.

Quelle: https://t3n.de/news/auf-wieder-sehen-lastschrift-1194937/
 

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